Der neue Defender

guido

In zahlreichen Filmen war er der Typ fürs Grobe.
Der Land Rover Defender. – Seinen wohl berühmtesten Einsatz hatte er an der Seite von Lara Croft in Tomb Raider. Nach 68 Jahren Produktionszeit möchte nun sein Nachfolger das Abenteuer-Erbe antreten.

Als Land Rover im Jahre 1948 seinen ersten Defender auf die Straßen schickte, konnte noch niemand ahnen, zu welch einer Ikone er heranwächst. Zumal die Bezeichnung Defender erst ab 1990 offiziell zur Differenzierung weiterer Modelle übernommen wurde. Bis dato hieß er einfach nur „Land Rover“,

Bereits von Anfang an als Allrounder konstruiert, zeigte der Landy sowohl beim Militär wie auch im Zivilen seine schier unerschöpfliche Nutzungsvielfalt. Bei der Feuerwehr, Rettungskräften, Abschleppdiensten, der Bergrettung und als Offroad- Rettungswagen oder sogar im Safari-Einsatz konnte er zeigen, dass er für jedes Terrain gebaut war und damit zurecht kam. Unabhängig ob auf der Straße oder der Kinoleinwand. Denn schnell wurden die Filmemacher auf seine Stuntqualitäten aufmerksam und machten so weltweit kostenlose Werbung für ihn.

Apropos Safari, einen seiner prägnantesten Film-Auftritte hatte er an der Seite von Clarence, dem schielenden Löwen und Judy, der Schimpansin in der Fernsehserie Daktari Mitte der 60er Jahre. Doch seine Filmkarriere entwickelte sich prächtig weiter. In „Lara Croft – Tomb Raider“, dem Oscar-prämieretn Streifen „Die Queen“, Sylvester Stallones Hau-drauf-Spektakel „The Expendables“ und natürlich in „James Bond – Skyfall“ durfte er zeigen, aus welchem Blech er gedengelt ist.

Foto: Jaguar Land Rover – Szene aus dem neuen James Bond – Keine Zeit zum Sterben.

Nach sage und schreibe 68 Jahren, diversen Modellreihen und mehr als zwei Milionen gebauter Fahrzeuge endete die Produktion des Land Rover 2016. Nicht ohne Aussicht auf einen Nachfolger.

Und nun steht er da, vier Jahre später, moderner, noch stabiler und bulliger, angepaßt an die neue automobile Zeit und ihre Ansprüche. Trotz allem unverkennbar ein Land Rover, ein Defender. Ein Kasten auf vier permanent angetriebenen Rädern, mit leichten Windkanalkorrekturen, damit der CW-Wert nicht in Richtung IKEA-Wandschrank tendiert.
Ja, der neue Defender tritt in mächtige Fußstapfen, ähnlich denen, die sein Urahn in Jurassic Park durchfahren mußte. Aber ja, man traut es ihm auf den ersten Blick zu, dass er dieser Bürde gewachsen ist.



Der erste Kontakt: ich stehe mit meinen 1,98 m seit langer Zeit wieder einmal vor einem Auto, bei dem ich nicht, ohne mich auf die Zehenspitzen zu stellen, über das Dach schauen kann. Ist die Luftfeder nämlich auf Offroadhöhe gepumpt, streckt sich der Defender 1,97 Meter hoch. Diese Luftfederung verfügt über drei Stufen: niedrig, zum besseren Einsteigen, normal für den Alltag und Gelände, um im Ernstfall Flussdurchfahrten bei 900 Millimeter Wattiefe zu absolvieren.

Mein Versuch, in den Landy im hochgepumpten Modus zu steigen, dürfte Beobachter an Judy erinnert haben, wie sie sich in Daktari in den damaligen Defender hangelte. Nur bei ihr sah es elegant aus, bei mir wie Freeclimbing auf einem Termitenhügel. Manchmal hat man es nicht leicht.

Thema „Leicht“. 4.758 mm Länge, 1.996 mm Breite und die 1.974 mm Höhe beherbergen ein Leergewicht von 2.323 kg. Eine ganz schöne Wuchtbrumme, dieser Engländer. 200 kg mehr gegenüber dem Alten. Beunruhigender wäre ein Gewicht unter zwei Tonnen, dann kämen leichte Zweifel an seiner Stabilität auf.


Reinsetzen, Umgebung inspizieren. Da ist viel passiert, verdammt viel. Modernes Cockpit, ein Schaltknubbel für die 8-Gang-Automatik, Querverstrebungen, Ablageflächen in allen Winkeln, und…, wahnsinnig viel Innenraum! Bis zu sieben Personen finden im Modell 110 Platz (der Defender 90 verfügt über zwei Türen weniger und 4.323 mm Länge, sprich auch einen kürzeren Radstand). Ich sitze aufrecht auf dem bequemen Gestühl, über mir locker noch vier Handbreit Spielraum zum Dachhimmel. Gut zu wissen, falls ich mal querfeldein einen Absatz herunter rausche. Dann bleibt zumindest der Kopf-Dachkontakt aus.
Karosserietechnisch ist also viel passiert, da darf der Antrieb nicht zurückstecken. Permanenter Allrad ist klar, dazu stehen zwei Benzin- und zwei Dieseltriebwerke zur Verfügung. Der 2-Liter Vierzylinder-Turbobenziner leistet 221 kW (300 PS). Der Sechszylinder-Turbo schöpft aus drei Litern Hubraum 294 kW (400 PS). Der Vierzylinder-Diesel ist mit 147 kW (200 PS) oder 177 kW (240 PS) erhältlich. Alle Motoren sind mit einer 8-Gang-Automatik kombiniert. Eine Plug-in-Version wird es ebenfalls in Kürze geben, vermutlich auch einen V8.

Für unsere Testtour stand der stärkste 240 PS-Diesel von Premium Cars Koblenz bereit, ein vor allem im unteren Drehzahlbereich sehr kultivierter Vierzylinder, der über ein sattes Drehmoment von 430 Nm verfügt. Und auch wer die enorme Anhängelast von 3.500 Kilo ausnutzt, wird nie das Gefühl haben, untermotorisiert zu sein.

Die komfortabel schaltende 8-Gang-Automatik passt gut zum starken Diesel. Allerdings sind die unteren Gänge für bessere Geländegängigkeit relativ kurz übersetzt, wodurch der Selbstzünder bei hohen Drehzahlen etwas lauter wird.
Auf der Straße beeindruckt, wie agil sich das Dickschiff auch auf kurvenreichen Straßen bewegen lässt. Das Fahrwerk (im Test mit Luftfederung) ist straff und trotzdem nicht unkomfortabel abgestimmt, lässt kaum Wankbewegungen zu. Hervorragend passt dazu auch die Lenkung, die mit wenig Kraftaufwand jede Biegung zielgenau in Angriff nimmt.

An Ausstattung stehen insgesamt fünf verschiedene Niveaus und eine First Edition zur Wahl, außerdem werden vier Zubehörpakete (Explorer, Adventure, Country und Urban) mit 170 Detailoptionen angeboten. Und natürlich gibt es zusätzlich eine breite Palette an Optionen, Zubehör- und Ausstattungsdetails – aber das kennen die eingefleischten Landy-Fans ja schon.

Das Einstiegsmodell des Defender 110 kostet 54.198,- Euro. Der Defender 90 ist ab 48.447,- Euro zu haben.

Foto: Jaguar Land Rover – Szene aus dem neuen James Bond – Keine Zeit zum Sterben.

Und wer sich von seinen Offroad-Qualitäten beeindrucken lassen möchte, der sollte sich ab 12. November den ersten großen Leinwandauftritt des Defender im neuen 007-Streifen nicht entgehen lassen.

Bericht/Fotos: Guido Strauss


Daten und Messwerte Land Rover Defender 110 – 240 PS

Motor/Antrieb: 4-Zyl.-Turbodiesel, 1.999 cm³, 177 kW/240 PS,
430 Nm bei 1.400 U/min/8-Gang-Automatik Antriebsstrang: Permanenter Allradantrieb, zweistufiges Vertei-
lergetriebe, sperrbares Mittendifferenzial, akti-
ves Sperrdifferenzial (hinten) (optional)
Fahrwerk: Einzelradaufhängung, Doppelquerlenker vorne
Einzelradaufhängung, Integral-Hinterachse
hinten
Bremsen: vorne/hinten innenbelüftete Scheiben vorne 349 mm Durchmesser, hinten 325 mm
Felgen (Zoll): 8,0J x 19″
Reifen: 255/65 R 19
Länge: 4.758 mm
Breite: 1.996 mm
Höhe: bis zu 1.974 mm
Leergewicht: 2.323 kg
Anhängelast: 3.500 kg
Gepäckraum: 857 – 1.946 Liter
Tankinhalt: 85 Liter
Beschleunigung: 0 – 100 km/h in 9,1 Sekunden
Vmax: 188 km/h
Verbrauch NEFZ: 7,6 – 7,8 l Diesel/100 km
CO2-Emission: 199 – 205 g CO₂/km
Abgasnorm: Euro 6d-Temp


Next Post

Gänsehautmomente

30 PS weniger als im Huracán EVO mit Allradantrieb, dafür aber auch 30 kg Gewichtsersparnis – der „kleine“ Lambo mit nur einer angetriebenen Achse kann vor allem eines: mit der Kombination aus Fahrspaß und Driftfreudigkeit seinem Piloten Gänsehaut bereiten. Bericht: Guido Strauss/Fotos: Theresa Weinand Jeder mit etwas hochoktanischem Zusatz im […]