Aston Martin Vantage

guido

Seine Gene stammen aus England, sein Herz aus Stuttgart. Eine gute Kombination?
Bei ihrem Vantage V8 greifen die Ingenieure von Aston Martin bei AMG ins Motorenregal und
implantieren den betörenden 4-Liter aus dem AMG GT mit 510 schwäbischen Pferdchen.

Synergien gehören heutzutage zum normalen Geschäft in der Automobilbranche. Opel bedient sich bei Peugeot, Hyundai bei Kia, Jeep bei Fiat und so weiter.

Bei Aston Martin hatte man schon immer einen guten Draht ins Schwabenländle und einige Stuttgarter Entwicklungen fanden ihren Weg ins britische Gaydon.

Auch wenn im aktuellen DB11 der selbstentwickelte V12 seine Arbeit verrichtet, musste für die sportlichen Ableger ein leichteres Aggregat her. Warum also nicht auf den Vorzeigemotor von AMG zugreifen? Seinen ersten Einsatz hatte er im DB11 V8 und glänzte durch die Gewichtsersparnis und die Arbeitsfreude mit fast identischen Fahrleistungen ähnlich wie bei seinem großen Bruder.

Im Zuge der Neuauflage des Vantage, dem man Agilität und Sportlichkeit mit auf den Weg geben wollte, kam eigentlich nur dieser Vierliter-Achtzylinder in Frage. Wie im AMG GT leistet er auch hier 375 kW/510 PS und bringt 685 Nm Drehmoment an die Hinterachse.

Ein kurzes Tippen auf den Startknopf, und der Vantage erwacht: Sattes Blubbern und tiefes Grollen verursachen vibrierendes Herzrasen beim Fahrer. Vornehme britische Zurückhaltung klingt jedenfalls anders. Jetzt mit der langen Schaltwippe hinter dem Lenkrad den ersten Gang einlegen oder die Automatik aktivieren, ein vorsichtiger Druck aufs Gaspedal und die 1.530 kg setzen sich brabbelnd in Bewegung. Nun darf er zeigen, was in ihm steckt. Und das ist eine ganze Menge: Bei Vollgas soll der Brite in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprinten und maximal 314 km/h erreichen.
Und soll dabei auf 100 Kilometer laut Werksangabe nur 10,5 Liter verbrauchen, bei vollem Fahrspaß dürften es aber noch ein paar Liter mehr sein. Egal, sei’s drum.



Auf unserer Tour durch die kurvige Eifel geht es eh nicht um Topspeed und Verbrauch, sondern um ein gutes Handling. Die drei Fahrmodi Sport, Sport+ und Track verändern das Ansprechverhalten von Gaspedal, Getriebe und Lenkung. Erstmals setzt Aston Martin ein elektronisches Sperrdifferenzial ein, für ausreichende Traktion. Durch den glatten Unterboden, den Frontspoiler sowie den Diffusor am Heck erreicht der Aston mehr Abtrieb und haftet auf dem Asphalt wie ein gut durchgekauter Hubba Bubba an der Wand. Die eigens für ihn entwickelten Pirelli P Zero in 255/40 vorn und 295/35 hinten auf 20-Zoll-Rädern tragen ihren Teil dazu bei. 400 Millimeter große Bremsscheiben und Sechs-Kolben-Sattel vorn sowie 360 Millimeter große Scheiben hinten sorgen für eine topp Verzögerung, optional gibt es sie aus Keramik.



Durch Gewichtsreduktion mit Alu und Carbon bringt er etwa 260 kg weniger auf die Waage als ein DB11. Das spürt man. Zumal er erstaunlich wendig ist.

Statt des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes des AMG GT setzt der Aston aus Platzgründen auf eine kürzer bauende Achtgang-Automatik von ZF an der Hinterachse. Motorkennfeld, Luftzufuhr und Auspuffanlage optimierten die Briten ebenfalls, so dass der Vantage heller und kerniger bellt als der tief grollende AMG-Mercedes.

Der Vantage ist ein reinrassiger Racer, der mit edlem Design, Dynamik und Fahrfreude, einer gewissen Exklusivität und einem betörenden Klang seinen Preis von 154.000 Euro irgendwie rechtfertigt.

Bericht/Fotos: Guido Strauss


Daten und Messwerte Aston Martin Vantage V8

Zylinderzahl / Motorbauart 8-Zylinder V-Motor
Einbaulage / Richtung vorne / längs
Hubraum / Verdichtung 3982 cm³ / 10,5:1
Aufladung max. Ladedruck Abgasturbolader (1,2 bar)
Leistung 375 kW / 510 PS bei 6000 U/min
max. Drehmoment 685 Nm bei 2000 U/min
Verbrennungsverfahren Otto
Nockenwellenantrieb Kette
Antriebsart Hinterradantrieb
Getriebe 8-Gang Automatikgetriebe
Leergewicht 1.530 kg
Leergewicht Testwagen vollgetankt 1.710 kg
Gewichtsverteilung
vorn / hinten
49,9 / 50,1 %
Zulässiges Gesamtgewicht lt. Hersteller 2.150 kg
Zuladung lt. Hersteller 620 kg

Fahrleistungen
0-100 km/h = 4,1 s
0-200 km/h = 13,0 s
Höchstgeschwindigkeit 314 km/h

Bremsweg und Verzögerung
100-0 km/h kalt = 36,1 m / 10,7 m/s²
100-0 km/h warm = 35,0 m / 11,0 m/s²
200-0 km/h = 134,5 m / 11,5 m/s²

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